Analyse: Welcher Werkstoff ist das?

12. April 2008
von MajorKoryu

Hallo!

Das kennt sicher jeder mal: Man hat einen Stoff herumliegen und will jetzt irgendeine chemische Keule darauf anwenden. Sei es Klebstoff oder gar färben. Aber vom letzten fehlgeschlagenen Färbeversuch wisst ihr noch: Stoff ist nicht gleich Stoff.

Hintergrund:
Stoff besteht aus Fasern.

Baumwolle: Hierbei handelt es sich um Cellulosefasern. Die Oberfläche ist übersäht von OH-Gruppen und damit sehr polar. Wasser haftet gut daran, das merkt man auch an der relativ langen Trockenzeit.

Wolle: Diese Faser besteht aus Proteinen. Diese haben verschiedene polare Reste. Generell ist zu beachten: keine anionischen Tenside benutzen! Besser mit Schampoo waschen, als unnötige Experimente machen. Wenn du einmal deine Haare mit herkömmlicher Seife gewaschen hast und dich wunderst, warum die aufeinmal so verfilzt sind, dann wirst du Wolle auch nicht mit Seife waschen.

herkömmliche Kunstfaser: Kohlenwasserstoff-Polymere. Das heißt, es sind lange C-Ketten, die mit H-Atomen übersäht sind. Und das ist extrem unpolar.

Jetzt sieht man den Unterschied.

Wolle, Baumwolle = polar
Kunstfaser = unpolar

Daraus ergeben sich verschiedene Stoffeigenschaften.
Ein Färbemittel für Baumwolle färbt keine Kunstfaser.

Aber was tun, wenn man jetzt einen Stoff färben will und nicht weiß, was es ist? Das sieht man dem Stoff ja nicht immer an. Und der Test mit der Trocknungszeit ist auch mehr als schlecht.

Ganz einfach: Feuer ist dein Freund.
Nimm einen kleinen Abschnitt und verbrenne diesen.
Nimm ein Stück Kunstfaser, von der du weißt, dass es welche ist, und verbrenne dies.
Nimm ein Stück gewusste Baumwolle und kokle diese ebenfalls kurz an. Hier bitte aufmerksam riechen.
Nun vergleichst du das mit dem unbekannten Stoff.
Schau dir das Verhalten an: rollt sich der Stoff schnell zusammen, schnorrt richtig zusammen? Das ist typisch für Kunststoff mit zweidimensionaler Vernetzung. (schmelzbar)
Schnorrt er nicht zusammen, riecht aber wie Maifeuer/Osterfeuer/Ofenfeuer oder wie das trockene Blatt, das du früher mit deiner Lupe angekohlt hast? Dann ist es höchst wahrscheinlich Baumwolle.

Eher ungewöhnlich wäre dann noch die echte Wolle. Hierfür kann man Haare aus seiner Bürste als Referenz verwenden.


Tricky: Manche Kleidungsstücke sind aus Baumwolle, haben aber Polyestergarn. Das färbt dann nicht mit. Wenn testbar, hier auch unbedingt einen Test durchführen!

Viel Spaß beim Verbrennen.



GEFAHRENHINWEIS:
Auf einer feuerfesten Unterlage arbeiten!
Kunststoffdämpfe nur in geringen Mengen einatmen (giftig)!
Den Stoff nur kurz mit dem Feuerzeug ankokeln. Keine großflächige Verbrennung! Hier reicht meistens sehr wenig Analysematerial!
Bei besonders großer Eigentrotteligkeit ein Glas Wasser zum Löschen bereit stehen haben!

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